[liebefreundinnen]: 17. März 2015

Dieses Posting wurde schon auf liebefreundinnen veröffentlicht.

Salut, Ihr Lieben,

sagt mal, werdet Ihr auch so häufig angefasst? In den letzten Wochen und Monaten haben so viele Menschen meine Säume abgetastet, die Stoffe meiner Kleider befühlt und sich die Zickzacknähte angesehen, wie noch nie in meinem Leben. Alles immer von anderen Näherinnen, die sich ja hier durch das ständige Angequatsche viel früher offenbaren.

Was meiner Kollegin am Wochenende allerdings auch auffiel, ist dieser völlig unvorbereitete Körperkontakt. Eine Angestellte des Museums schaute sich erst die Verarbeitung meiners Reißverschlusses an und fragte dann, ob ich Pferdehaar im Saum habe (gut, dass ich Gerties Buch habe…). Ich schaue mir manchmal auch die Innenverarbeitung bei Kleidung am Menschen an, aber ich frage vorher, ob ich mal gucken darf. Glaube ich.

Ihr so?

Ansonsten ist hier gerade muffelige Zeit. Warum hab ich noch mal einen Schreibberuf gewählt?

Liebe Grüße,

Juli

Liebefreundinnen-Postings

Der Blog liebefreundinnen.blogspot.com ist heute offiziell online gegangen. Zum Teil verzichten die Autorinnen auf die Weiterführung der eigenen Blogs, ich lasse den Kirschen-Blog wie angekündigt aber zunächst einmal leben. Derzeit weiß ich noch nicht genau, ob und wie ich eine Aufteilung meiner Postings hinbekomme, aber das wird sich schon entwickeln. Derweil stelle ich die Sachen, die ich bei liebefreundinnen poste, auch hier online. Also nicht wundern.

Ihr Lieben,

los geht’s mit dem virtuellen Nähkränzchen. Ich freue mich sehr! Nicht dass es mir in den USA nähmäßig nicht extrem gut ginge. Ich berichtete ja schon mal, wie begeistert alle von meinem Hobby sind. Ich werde in eine tiefe Depression fallen, wenn ich zurück bin.

Vor allem meine Kollegin A. ist ein echtes Zuckerstück. Sie hat mich mit zwei Frauen bekannt gemacht, weil sie dachte, das könne mich interessieren. Die eine ist Schnittmacherin, ich weiß leider nicht, wie der entsprechende IHK-zertifizierte Berufszeig auf deutsch heißt. Ihr? Es war spannend bei J., aber auch ein wenig frustig. Erst wurde ganz vielen ihrer Kolleginnen gekündigt, weil die Schnittmustererstellung (für Kollektionen nicht für Näherinnen) weitestgehend technisiert erstellt wurden. Und dann wurden die übriggebliebenen Pattern-Frauen aufgefordert, ihre Kenntnisse an eine Firma in Indien zu übertragen. Sie haben also ihren eigenen Ersatz geschult, mit dem Wissen, dass ihnen nach der Schulung gekündigt werden würde. Und so war es auch [hier der wunderbare Michael Hartmann zum Thema].

Die andere Freundin ist Hobbschneiderin und ich durfte ihr Nähzimmer begutachten. Wahnsinn. In den Südstaaten gibt es in älteren Häusern so genannten “sleeping porches“. Das sind Räume mit ganz vielen Fenstern, in denen in den warmen Sommermonaten die Kühle der Nacht genutzt wurde, um ordentlich schlafen zu können. Dieses unglaublich helle Zimmer nutzt C nun als ihr Nähzimmer. In der Mitte steht ein riesiger Tisch, auf dem sie zuschneidet. Für diesen Tisch hat sie eine einzige beeindruckend große Schnittmatte. Die Garnrollen hängen farblich sortiert an der Wand, die Schnittmster in großen Boxen, an den Wänden große Regale mit Stoffrollen. Ich habe den Mund nicht mehr zubekommen und warte auf den Tag, an dem ich auch so ein Reich mein eigen nennen kann. Gut, vermutlich wird das nicht passieren – das restliche Haus war dementsprechend.

Nach dem Nähzimmer-Besuch war ich mit A und C noch zur Tea Time in einem Hotel in der Gegend. Très chic, das hat mir gut gefallen. Eigentlich bin ich ja eher eine Kaffetante, aber der Tee war himmlisch. Und eine Etagère voller Köstlichkeiten – Scones mit Clotted Cream und Lemon Curd, mmh. Cat, hast du nicht dieses Backbuch vom Great British Bake Off? *hust*

Nun aber zurück zum Thema. Ich war abgereist mit zahlreichen “bring Schnittmuster mit!”-Rufen. Genau wie ihr dachte ich an rumpelige Thrift Stores, in denen ich kistenweise alte und zerbrechliche Musterbögen finde, die mir für einen Quarter pro Stück hinterher geschmissen werden. Nun ja. War nicht ganz so. Meine Schnittmuster kaufte ich für teuer Geld bei etsy. War auch okay.

Als ich C dann traf, berichtete sie von einer Freundin, deren Nähladen aufgelöst werden musste. In dem Geschäft war ich sogar, hier berichtete ich davon. Aus dem dunkelroten Wollstoff ist mittlerweile ein schöner Bleistiftrock geworden, den ich demnächst zeigen werde. Die Besitzerin, eine wirklich gebeugte Engländerin, hatte Mühe, den Laden aufrecht zu erhalten, das war deutlich zu sehen. C. half ihr nun mit mehreren anderen Freundinnen, auszusortieren und alles zu Geld zu machen, was sich dafür eignete.

Und! Was für ein Glück für mich! Es gab zahlreiche alte Schnittmuster, die nicht mehr verkauft werden konnten. Guckt mal, womit ich letztens überrascht wurde:

Ist das nicht toll? Ich bin schon ganz aufgeregt und kann mich nicht entscheiden, was ich als erstes nähen will! Das rote Kleid ganz rechts hat aber ganz gute Chancen.

Ich kann nun also berichten: hat geklappt mit den Schnittmustern! Mit Stockflecken, ein bisschen Muff und der Erinnerung an eine ganz herrliche englische Lady. Auftrag erledigt, ich komme dann wieder zurück, ne?

Jetzt muss ich trennen. Und ihr so?
Liebe Grüße,
Juli

P.S.: Lotti fudelt. Wir haben uns niemals betrunken. Das wäre überhaupt nicht mein Stil.

Me Made Mittwoch am 11. März 2014

Wie Ihr vermutlich schon gelesen habt, steigen Cat, Melleni, Julia und ich aus der Crew des Me Made Mittwoch aus. Die Zeit als Mitorganisatorin dieser großartigen Plattform war schön, ich freue mich, dass ich ihn mitgestalten konnte und die Entwicklung und Verfestigung des Zeigens selbstgemachter Kleidung im Alltag so hautnah verfolgen konnte. Jetzt ist die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Und auch wenn das für mich durchaus auch mit Wehmut verbunden ist, es geht ja weiter. Monika, Nina, Karin und Sy Bille werden das bereits bestehende Team ergänzen, ich freue mich! Gerne nehme ich weiterin mit meinem Blog am MMM teil.

In North Carolina gab es ja ein leichtes Schneechaos, das sich über mindestens zwei Wochen hinweg deutlich bemerkbar machte – es schneite nämlich einfach immer wieder. Wie frech vom Wetter! Mittlerweile ist jedoch es wunderbar warm. Gestern Abend waren es nach 20 Uhr immer noch 21° Celsius. Deswegen benötige ich derzeit gar keinen Mantel, wenn ich draußen bin, heute reichen Jerseykleid und Blazer allemal.

 

IMG_5263Hier sieht man kaum was, weil schwarzer Kaufblazer, schwarzes Jerseykleid und schummriges Toilettenlicht zusammen nicht so gut funktionieren.

 

IMG_5264 Hier ohne Blazer, leider auch nicht so unendlich gut zu erkennen. Das Jerseykleid ist nach einem Knotenkleid-Schnittmuster aus der Sabrina. Ich habe es schon mehrfach gezeigt, unter anderem hier, und es ist ein echtes Allroundtalent.

 

IMG_5267Mein neuer Armreif aus einem Trödel-Schmuckladen. Wenigstens den kann man gut erkennen.

Ich wünsche Euch einen wunderbaren Me Made Mittwoch, heute unter der Führung von Lucy, die von ersten Frühjahrstagen in Berlin berichtet.

 

Me Made Mittwoch am 18. Februar 2015

Heute findet Ihr diesen Beitrag auch auf dem MMM-Blog!

North Carolina ist hübsch. Vor allem im Winter, der ist nämlich sonnig und warm. Als wintergeschädigte West- und Norddeutsche freue ich (Frau Kirsche) mich über die hohen Temperaturen, den blauen Himmel und die vielen Sonnenstunden.

Was passiert, wenn sich der Winter mal meldet, ist allerdings sehr erheiternd. Zunächst einmal werde ich sowieso fast jeden Tag mit “Julia, it’s freezing!” im Büro begrüßt, aber Montag wurde schon im Bus eifrig debattiert, ob eventuell die Welt untergehen könnte. Ein Schneesturm war angekündigt! Die manchmal (substanzinduziert) leicht wirre Besatzung des Busses sprach von “SIX FEET!”. Das sind 1,8 Meter. Ich hatte zwar vom drohenden Wetterchaos nicht das Geringste mitbekommen, aber das erschien mir doch eher unwahrscheinlich.

Tatsächlich waren ab nachmittags ein bis drei Zoll Schnee angekündigt, also 2,5 bis 7,5 Zentimeter. Aufgrund dieser nahezu apokalyptischen Aussicht war es natürlich nicht möglich, das normale Leben aufrecht zu erhalten. Die Uni wurde ab 15 Uhr dicht gemacht, der Busfahrplan auf die Schneeroute umgestellt, die Supermärkte geplündert. Während ich einigermaßen verwundert und vielleicht ein wenig lästernd die Aufregung beobachtete, freuten sich die Kolleginnen und Kollegen über die Uni-Schließung wie ich vor 20 Jahren über die Hitzefrei-Ankündigung. Und auch am Dienstag war an normales Leben noch nicht zu denken, weswegen es heute ausnahmsweise keine Toiletten-Photos gibt, sondern echte, mit dem Photoapparat geschossene Bilder. Ohne Spiegel. Verrückt!

Für den heutigen MMM gibt es noch einmal ein neues Kleid, aber nach bereits bekanntem Schnitt. Letzte Woche zeigte ich eine erste Version eines Hemdkleides aus den 1940er Jahren, den ich kurz vor Weihnachten bei etsy bestellte.

Ich wählte die mittlere grüne Variante, die über ein geschlossenes Rockteil verfügt (faul: moi). Das Oberteil musste ich erneut etwas enger nähen (und es könnte auch noch einen Ticken vertragen), die Ärmel sind verlängert und einen Reißverschluss habe ich ebenfalls in die Seite genäht, um die Knopfleiste im Oberteil zu sparen (faul, encore une fois: moi).

Den Stoff habe ich in einem Anflug von “ich kaufe jetzt nur noch Flanell! NUR NOCH!” erworben, dunkelblauer Flanell, sehr muckelig. Zudem hatte ich passende Knöpfe, mehr muss ich doch nicht sagen, oder?

Nun also: North Carolina im Schnee.

Dies nur als Symbolphoto. Gegen’s Licht, das bringt es ja nicht so richtig. Ich hätte gerne den Nachbarn gebeten, sein Auto wegzuparken (wie sieht das denn aus, herrje?), aber ich weiß leider nicht, zu wem es gehört.

Um mich herum taute es. Auf jedem dritten Photo sieht man runterflitschende Wassertropfen.

Das Oberteil wird vorne durch gekräuselte Nähte und eine Falte auf jeder Seite bzw. hinten durch Falten jeweil oben und unten und rechts und links in Form gebracht. Dadurch entsteht dieser nette blusige Effekt.

Die Knöpfe sind m.E. vom Flohmarkt, aber ich kann mich nicht so wirklich erinnern. Der Rock ist von innen mit Schrägband gesäumt und am Ärmel ist ein Zierstich, in dunkelblauem Garn, den man nicht photographieren kann. Ich hab’s getestet.

Beim kurzen Gang aus dem Haus, mit Tuch gegen kalte Ohren. Übrigens ist der Saum nicht schief, sondern das Kleid unglücklich im Gürtel gefangen.

Und wenn der Schnee getaut ist, heißt es wieder:

So lange schaue ich mir Eure Beiträge zum heutigen Me Made Mittwoch an.

Me Made Mittwoch am 11. Februar 2015

Mein letzter Blog-Beitrag ist schon hundert Jahre her, und das, obwohl ich eigentlich MEHR bloggen wollte und nicht weniger. Aber manchmal kommt es ja doch anders. Zum Beispiel, wenn man viel Freizeit hat und dann auf einmal ganz schön viele Deadlines auf einen warten. Seit meiner Rückkehr im Januar war ich nicht nur in den Bergen und im tollen Chicago, nein, ich war auch drei Tage in NY gefangen, als Opfer des Jahrhundert-und-dann-doch-nicht-so-wild-aber-hey-der-Flughafen-bleibt-dennoch-zu-Blizzards Juno.

Seitdem arbeite ich wie eine Irre, ich hab an zu vielen Stellen “na klar, mach ich” gesagt. Zu diesem Thema werde ich aber noch mal gesondert schreiben, denn heute geht es ja nicht um wissenschaftliche Laufbahnen, sondern um den wunderbaren Me Made Mittwoch.

Ich zeige eines meiner Vorweihnachtskleider, das ich sehr liebe. Das Schnittmuster habe ich bei etsy bestellt, ein 1940er-Hemdblusenkleid, das ich in der mittleren Version genäht habe. Der Stoff ist von Hancock’s, einer amerikanischen Kette, ein graugrundiger Flanell mit blau-schwarz-weißen Schnee- und Schlittenmotiven. Da hier schon der Frühling naht, muss ich das Kleid jetzt noch ausführlich tragen.

 

IMG_4191

 

Ich fühle mich darin zugegebenermaßen ein wenig schlafanzugig, sowohl wegen des Flanells als auch wegen der hellen Grundfarbe und des Musters.

 

IMG_4891Heute ist hier die Hölle los, deswegen kann ich nur ein einziges Toilettenphoto anbieten, es tut mir leid. Shame on me.

 

SchnittmusterQuelle

Der Schnitt gefällt mir sehr gut. Ich musste das Oberteil deutlich verkleinern und habe lange an der Knopfleiste rumgefrickelt, damit der blusige Effekt bestehen bleibt, es aber nicht zu bollerig wird. Trotzdem war das Kleid total schnell fertig, so gefällt mir das! Es ist auch schon ein zweites Mal zugeschnitten, aber im Moment komme ich abends so spät aus der Uni, dass ich keine Lust mehr habe, zu nähen. Ich hoffe auf ein paar Nähstunden am Wochenende, aber so richtig gut sieht es dafür derzeit nicht aus. Heute Abend werde ich aber auf jeden Fall durch Eure Blogs stöbern. Ob Ihr auch schon in Frühlingslaune seid?

Auf dem MMM-Blog zeigt heute unsere Gastbloggerin Jenny ein wunderbares Vintage-Kleid! Sehr chic!

Me Made Mittwoch am 14. Januar 2015

In meinem Rückblick erwähnte ich es bereits – das Jahr 2014 war relativ arm an Paspelkleidern (Schnittmuster Knip 9/2011), wie konnte das nur passieren? Wenn ich richtig gezählt habe, besitze ich mittlerweile sieben Versionen:

KnipkleidDiese zwei habe ich schon letzte Woche gezeigt.

Paspelkleid_CollageDas Original-Weihnachtskleid von 2011 (ganz links) und die darauf folgenden Modelle von 2012 und 2013.

Netterweise bin ich ja mittlerweile nicht mehr der einzige Fan (wobei ich darauf hinweisen muss, dass ich ja nur durch Julias Version zum Fan wurde – als wir uns zum ersten Mal trafen. Hachz.), sondern zahlreiche ganz bezaubernde Versionen finden sich in der Nähbloggerinnen-Gemeinde, z.B. hier, hier, hier und hier.

Nun wollte ich meiner Sammlung schon seit einger Zeit eine ganz simple Version hinzufügen, inspiriert durch die Mädchentraum-Winterkollektion 2014/2015. Und als ich im Januar in Begleitung von Cati Basmati im alten heimatlichen Stoffladen war, habe ich dank der 1a Beratung der Anschneiderin einen wundebaren blauen Wollstoff ergattert, der mich meinem Traum von einem schlichten, chicen Wollkleid näher brachte. Und weil ich ja weiß, wie schnell ein solches Paspelkleid genäht ist, habe ich ziemlich bald nach meiner Ankunft zugeschnitten und genäht. Et voilà.

IMG_4482Da das Wetter ausnahmsweise auch in North Carolina trüb ist, gibt es wieder Toilettenphotos. Bisschen ist es ja auch schon Tradition, redete sie es sich schön.

IMG_4483 Der Saum ist ein wenig länger als sonst, ein wenig problematisch ohne Ganzkörperspiegel in der Wohnung. Es stört mich aber nicht.

IMG_4485  Happy Kirsche.

IMG_4487Wie man sieht, habe ich in dieser Version gar keine Paspeln verwendet, sondern die Schnittteile einfach so aneinander genäht. Für meinen Körperbau ist die Passung tatsächlich ziemlich perfekt und bringt Form an Stellen, wo sie erwünscht ist. Unter dem Kleid trage ich meinen Petticoat. Das bietet sich sowohl bei der Kleidersilhouette als auch bei den derzeitigen Temperaturen an.

IMG_4488Die Originalfarbe des Stoffes konnte ich leider auf keinem Photo so richtig einfangen. Er ist ein bisschen dunkler als auf diesem Photo, aber hier erkennt man die Struktur und leichte Melierung ganz gut.

Ich muss sagen, dass ich mit dieser Version mehr als zufrieden bin. Auch wenn es für derartige Entscheidungen noch ein bisschen früh ist, hat dieses Kleid doch für mich gute Chancen auf den Titel des Lieblingskleides 2015, vielleicht weil ich so lange nach einer schlichten Wollversion gelechzt habe. Meinetwegen kann es jetzt noch ein wenig kühl bleiben.

Ob Dodo das auch so sieht, können wir auf dem MMM-Blog sehen. Sie zeigt ein unglaublich tolles Gesamtoutfit – chapeau! Habt einen schönen Tag!

Sonntags-Notizen, USA-Edition

Ich schlafe gerne und ich liebe es sehr, am Vormittag keinen Termin zu haben, um dann völlig trödelig durch die ersten Stunden des Tages zu eiern. Kaffee kochen, Spülmaschine ausräumen, eine Banane essen, was lesen, mehr Kaffee kochen, die Nähmaschine anmachen (aber ignorieren) usw. Noch toller ist es, dass ich mich derzeit dank der Zeitumstellung noch irgendwie zwischen den USA und Deutschland befinde. Derzeit werde ich um 22 Uhr gar schrecklich müde, bin aber auch gegen 6:30 Uhr hellwach. Heute bin ich endlich mal einfach aufgestanden und verlängere so nicht nur meinen Tag, sonderen verringere auch noch die Kopschmerzwahrscheinlichkeit.

 

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Und so konnte ich eben dieses Bild bei instagram posten: Kaffee, Nähmaschine, The Good Wife. Und weil außer mir noch keiner auf den Beinen ist und mir auf meinen 1a Morgenmantel schauen kann (die Nachteile des EG), kann ich alle Jalousien hochziehen und den Sonnenschein genießen. Denn eins sei gesagt: dieser Winter in North Carolina ist göttlich. Die Sonne scheint quasi durchgehend, kein Vergleich mit dem norddeutschen oder rheinischen Grau.

IMG_4422Campus

Langsam aber sicher geht es arbeitsmäßig richtig los. Die ersten Vortragstermine stehen, die ersten Deadlines winken, Interviews werden geplant und ich freu mich. Es war zwar auch nett, in den ersten Wochen in Ruhe rumzuprusseln oder die Zeit im Büro zum Skypen zu verwenden, aber ein gut genutzter Arbeitstag macht eine glückliche Kirsche. Und eine glückliche Kirsche kann mit der leider etwas lahmen sozialen Situation besser umgehen.

Ich habe im letzten Monat zum ersten Mal in meinem Leben meinen Geburtstag komplett alleine verbracht. Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass ich gar nicht – wie sonst immer (z.B. hier, hier oder hier) – wochenlang darauf hingewiesen habe, dass demnächst mein Lieblingstag ansteht, aber ich ahnte, was mir blüht und verdrängte lieber. Nun ist ein allein verbrachter Geburtstag bei weitem keine Katastrophe, vor allem, wenn man bedenkt, wie das Jahr 2015 gestartet ist und was 2014 alles passiert ist. Kinkerlitzchen, pille palle. Trotzdem hat mich die Woche vor und der Tag selbst zu einem knatschigen Emotiönchen gemacht und das, obwohl zahlreiche Menschen mir Briefe und Päckchen geschickt haben (große Liebe und Dankbarkeit!).

Und auch wenn ich nicht so auf gute Vorsätze stehe, muss ich dennoch zugeben, dass ich einen hatte, den ich sogar schon ansatzweise umgesetzt habe. Demnächst kommen zum ersten Mal Gäste, die ich bei mir zu Hause bekoche, ich treffe mich unbekannterweise mit anderen Uni-Leuten zum Kaffee und fahre für ein Wochenende in die Berge. Irgendwo neu zu sein, und das auch noch in einem fremden Land, ist nicht so leicht. Ich wusste das, schließlich bin ich quasi gerade erst nach Bremen gezogen, und habe es mir dennoch einfacher vorgestellt. Nachdem meine Erwartungen dann im November und Dezember etwas unsanft gebremst wurden, habe ich über Weihnachten nicht nur viel Kraft getankt und mit allen gesprochen, gekuschelt, gegessen, getrunken und geraucht (haha! Altes Europa, du abgerockte Diva, ICH LIEBE DICH!), sondern auch meine Erwartungen überdacht und modifiziert. Und siehe da, wenn man sich nicht sofort als Sozialversagerin fühlt, weil man nach einigen Wochen noch keine nennenswerten Kontakte aufzuweisen hat, ist es direkt leichter, von sich aus welche zu initiieren.

All das hindert mich natürlich nicht daran, Euch alle, die ich ich (mehr oder minder) regelmäßig sehe, sei es Familie oder Freundschaft, zu vermissen.

Wirklich großartig ist die Art und Weise, wie die Kolleginnen und Kollegen mit der Näherei umgehen. Komplimente werden ja recht gerne verteilt und das find ich wirklich nett. Klar, ich weiß, viele sagen, das sei die amerikanische Oberflächlichkeit, aber ich möchte hier wirklich widersprechen. Komplimente werden (mir) am meisten in Situationen gemacht, in denen es sozial überhaupt nicht notwendig ist, beispielsweise an der Bushaltestelle, wenn ich durch den Supermarkt oder durch die Uni laufe. Ist dann eine meiner Kolleginen bei mir, sagt sie sofort, dass ich meine Kleidung selbst nähe, völlig unabhängig von der Situation, also sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Ich erinnere mich an Situationen in Deutschland, wo mich das wirklich ärgerte. Ich bin doch kein Püppchen! In den USA ist das aber (meines Erachtens) möglich, weil insgesamt mehr über private (oder semi-private) Themen gesprochen wird. Ich weiß von vielen, wer seine Eltern pflegt, was die Kinder machen, dass sie gerne wandern/basteln/häkeln. Der ganze DIY-Bereich ist viel weniger anrüchig, scheint mir, und zwar nicht erst, seitdem es DIY heißt und in stylishen Zeitschriften gelobt wird. Ich meine hier das gute, alte (und manchmal in meinen Augen ganz schön hässliche) Handarbeiten. Ich bin Fan! Das bedeutet, dass meine selbstgenähten Kleidungsstücke auch im beruflichen Alltag gewürdigt werden, sowohl von Männern als auch von Frauen! Und noch kein einziges Mal hörte ich die klassisch deutsche Antwort “Wann machst du das denn noch?! Für so was hab ich ja keine Zeit” (aka du faule Wurst!).

Ich glaube, die höhere Akzeptanz der DIY-Sparte liegt auch daran, dass es in amerikanischen Unis viel mehr – insbesondere ältere – Frauen gibt. In deutschen Unis gibt es auch ein paar ältere Professorinen, aber aufgrund des abgeschafften Mittelbaus und der leaky pipeline sind die älteren Semester doch eher männlich. Ich erinnere mich an meine erste amerikanische Konferenz, bei der ich mich tatsächlich fragte, was die ganzen alten Frauen hier machen. Und mich dann ziemlich schämte. Ich will damit nicht sagen, dass ältere Frauen immer handarbeiten, sondern dass ältere Frauen aufgrund ihrer höheren Position und ihrer Seniorität stärker beeinflussen können, was im beruflichen Alltag “normal” ist und was “abweichend” als ein junger Hüpfer wie ich. (und ja, in vielen Kontexten bin ich das nicht mehr, aber in der Wissenschaft bleibt man bis zur Professur Nachwuchs und hat im universitären Alltag wenig zu kamellen) Und auch in den USA ist es wahrscheinlicher, dass Frauen nähen oder stricken als dass Männer dies tun. Die Assoziation Handarbeit – Heimchen ist aber (scheinbar) nicht so stark wie in Deutschland.

Der Stoffstapel in den USA wächst und gedeiht, denn ich werde regelmäßig gefragt, ob ich nicht zu Stoffgeschäft XYZ mitkommen will. Das finde ich so wahnsinnig nett! Gestern war ich in zweien und danach noch bei der Freundin einer Kollegin, die mich mitnahm. Die Freundin stellt professionell Schnittmuster her, das war ein spannendes Gespräch. Uund ich habe mich selten so gemustert gefühlt, hatte aber zufällig und zum Glück den gelben Blazer, der ja von einer Oberbekleidungsschneiderin zugeschnitten wurde. Puh.

Die Besitzerin des ersten Geschäfts – eine bestimmt über 70-jährige Engländerin – erzählte und fragte viel (übrigens auch etwas Feines am “oberflächlichen” Amerika: Leute erzählen einander Dinge, weil sie sich gegenseitig fragen. Und ja, das heißt nichts für die weitere Beziehung. Nett und spannend ist es trotzdem). Unter anderem sagte sie, dass Leute sie häufig fragen würden, wie es sei, in Europa zu leben, und sie sagte folgendes:

“Being in Europe is like visiting your grandmother. Grandmother has been there, done that, and is not interested!”

Ich bin vor Lachen beinahe hintenüber gekippt. Ich finde die Analogie nicht zutreffend, aber unglaublich lustig.

Bei ihr habe ich einen viel zu teuren weinroten Wollstoff und schwarze Knöpfe gekauft. Die Qualität des Stoffes ist hervorragend und ansonsten habe ich auch ausreichend Argumente, um den Einkauf zu rechtfertigen. Danach waren wir bei JoAnn Fabrics, einer nationalen Kette, die der Engländerin die Kundschaft abgräbt, aber leider wirklich eine unfassbare Auswahl hat.

IMG_4458Die beiden linken (dunkelblauer Flanell und rote Baumwolle) werden zu einem 40er-Hemdblusenkleid, das ich bereits einmal aus Flanell genäht habe und demnächst zeige. Der rote Wollstoff (rechts) möchte ein Bleistiftrock werden.

Mittlerweile ist die Nachbarschaft wach (das mit der Schalldämmung ist ne Katastrophe), der Kaffee ist leer und die Nähmaschine weint leise vor sich hin. Ich mach dann mal weiter! Was macht Ihr heute so?

Beaucoup de bisous!

 

 

 

 

Jahresrückblick 2014

Gestern trafen wir uns unter Mellenis Leitung auf dem MMM-Blog, um unser liebstes Kleidungsstück des vergangenen Jahres zu küren. Heute hole ich mal zu einem etwas ausführlicheren Rückblick auf das Näh- und Strick(!!)-Jahr 2014 aus.

Wie schon in den vergangenen Jahren führt die Internetgemeinschaft der Nähnerds nicht nur zu angeregtem Austausch per Blog, Twitter, E-Mail oder neuerdings sogar Podcast bzw. Hörspiel, sondern auch zu klassischen Begegnungen, so von Mensch zu Mensch, wenn auch manchmal zwischen solchen, die sich eigentlich irgendwie unbekannt sind.

Im letzten Jahr hat insbesondere die anNÄHerung in Bielefeld unter der Organisation von Alex, Miriam und Susi zu einem geradezu rauschhaften Kennenlernen geführt. Neben zahlreichen bekannten Gesichtern waren dort sehr viele mir bislang persönlich face-to-face unbekannter Damen. Toll war das! Leider bin ich in diesem Jahr nicht dabei, aber es wird bestimmt wieder großartig und ich freu mich auf die Berichte.

Dann habe ich meine üblichen Verdächtigen noch mehrfach besucht und einige sogar bei mir zu Hause begrüßen dürfen. Das war ganz toll! Das mindestens monatliche Treffen mit Dodo zeigt für mich ganz deutlich, wie sehr sich das “anonyme Internet” in mein ganz normales (im Sinne von klassisches) Beziehungsleben integriert hat.

Zur besseren Übersicht habe ich mir zwischen Weihnachten und Neujahr eine Liste mit allen vollendeten Kleidungsstücken erstellt. Das Jahr war recht erfolgreich mit fast 30 Teilen, von denen ich viele mag, auch wenn mich keines so wahnsinnig total vom Hocker haut.

Wie immer habe ich viel in Reihen genäht, z.B. sechs (!) Varianten des Schnitts Butterick B6018:

B6018_Collage1 B6018_Collage2

Meine Paspelkleider-Liebe war nicht so aktiv, wie im Jahr 2013, aber dafür liegt derzeit wieder eins unter dem Nähfüßchen. Von den zwei Versionen des Knipkleids (9/2011), die ich dieses Jahr genäht habe, mag ich insbesondere das Tansaniakleid (rechts).

Knipkleid

Gestern ganz vergessen habe ich ein Bastelschnittkleid aus Samt, das ich sehr gerne trage:

DSC02290

Röcke und Oberteile waren in diesem Jahr nicht so richtig beliebt. Zwar habe ich einige Röcke genäht, aber diese nur nach Standard-Schnitten. Die einzige Ausnahme ist dann auch direkt richtig kackig geworden (ganz rechts).

Röcke2015

Nun noch ein kurzer Blick auf meine Vorsätze für 2014, geblogt am 3. Januar letzten Jahres, denn ausnahmsweise hat es mit der Umsetzung ganz gut funktioniert:

Und was passiert 2014?

  • 2014 muss ich endlich mal meinen Hintern hochkriegen und dieses leidige Strickthema bezwingen, das kann doch nicht sein. Zum guten Start werde ich in der nächsten Woche von Dodo unter die Fittiche genommen, um wieder in Schwung zu kommen.

IMG_4329Das Shetland Triangle begleitet mich auf Schritt und Tritt und wächst und gedeiht (auf dem Photo an Weihnachtskleid, ich hab also sogar an Heiligabend gestrickt!). Vor lauter Übermut habe ich mir drei verschiedene Farben Wolle zu Weihnachten schenken lassen.

  • ich bin eher eine Webstofftante, aber in diesem Jahr soll es endlich auch noch mal Jersey sein

Jersey2015Okay, es ist nur eine Variante Jerseykleid, aber von der bin ich auch wirklich sehr angetan. Und Schnittmuster kopiere ich immer noch nicht gerne….

  • nachdem so viele die schmalen Röcke als “anders schön”, “auch schön” oder ganz offen als “schöner” bezeichnen, werde ich mal ausprobieren, Kleider ohne Petticoat zu nähen (Hülfe!)

Das hat nicht so gut geklappt und kommt erneut auf die Liste.

Und was passiert demnächst?

  • ein weiteres Kostüm ist in der Mache, eins das ich noch im Rheinland angefangen habe, zu nähen. Damals, vor dem Umzug in den Norden. Es ist senfgelb und ich liebe es. Und ich will noch eins aus rotem Samt nähen. Das Kostüm-Thema ist also noch nicht durch.

DSC02505Äh ja. Das dauerte dann doch noch ein paar Monate, aber irgendwann war es fertig. Der rote Samt hingegen fand seine Bestimmung im diesjährigen Weihnachtskleid.

Lemmingkleid2015

Ich weiß nicht mehr, welche Version ich meinte, aber es gab zwei weitere Lemmingkleider im ersten Quartal 2014. Beide finde ich eher mittelgut.

Und was passiert 2015?

Frisch zugeschnitten ist ein Paspelkleid aus blauer Wolle, das ganz ohne Paspeln auskommen soll (verrückt!), außerdem habe ich Ende 2014 ein Flanellkleid nach einem neuen 40er-Schnitt genäht, das demnächst noch ein Geschwisterchen bekommen soll. Überhaupt gibt es für die nächsten Monate ziemlich konkrete Stoff-Schnittmuster-Pläne, das habe ich sonst selten. Ich bin gespannt, wie es mit der Umsetzung klappen wird. Folgendes fällt mir relativ spontan ein:

  • eine zweite Version des Weihnachtskleid aus einem dunklen Tartan
  • der Vintage-Schnitt aus der aktuellen Burda aus gelbem Georgette
  • ein 40er-Rock aus einer königsblauen Baumwolle
  • Butterick 5322 (Geburtstagsgeschenk von Freundin A! <3 ) aus einem blumigen Baumwollstoff

All diese Projekte sind für meine USA-Zeit geplant. Ich werde meine Arbeitszeit wohl leider reduzieren müssen, sehr schade, denn stricken will ich nebenbei auch noch. Somit starte ich völlig überambitioniert ins neue Jahr und bin sehr gespannt, ob die 2016-Kirsche darüber nur mitleidig den Kopf schütteln wird.

Den Blog würde ich gerne wieder etwas häufiger nutzen. In den letzten Monaten reduzierten sich meine Postings häufig auf den sehr geliebten Me Made Mittwoch sowie auf Sew-Alongs, die ich dann auch noch häufig – wenn nicht selbst Gastgeberin – schluderte. Gerne (wieder) einführen würde ich Monatsrückblicke und Alltags-Postings ohne Nähbezug. Ob das was wird? In einem Jahr lässt sich wieder Bilanz ziehen, sehr spannend.

Derweil freue ich mich jedoch erst einmal auf ein neues Jahr in diesem zumeist wunderbaren, herzlichen Internet!

Me Made Mittwoch: Lieblingsteil 2014

Meine ausführliche Nähbilanz 2014 ist bereits in Planung, aber noch nicht bereit zur Veröffentlichung. Ich habe eine Liste mit allen meinen Kleidern gemacht und zerbreche mir seitdem den Kopf, welches Teil nun mein Liebling 2014 ist. Die Entscheidung fällt mir – wie vielen anderen – schwer, deswegen muss auch ich eine kleine Auswahl präsentieren.

DSC02454Nicht herausragend schön, aber unendlich praktisch ist das schwarze Jersey-Knotenkleid, das ich zu einer Konferenz im Oktober genäht habe. Auch wenn es einen Ticken länger sein könnte…

 

998d2-dsc02414Das Hemdblusenkleid Butterick B5846 gefällt mir ausgesprochen gut und ist in ständigem Gebrauch (derzeit ist es allerdings ein wenig frisch dafür). Das liegt einerseits am Schnitt, aber ganz unbedingt auch am Stoff, den ich in Berlin gekauft habe. Beim Maybachufer-Bummel war ein Großteil der Crew versammelt und ich erinnere mich sehr gerne an diesen Tag. Das Kleid möchte allerdings seit seiner Herstellung gerne, dass ich ein wenig abnehme. Am Bauch. Eigentlich ein Grund es sofort aus dieser Liste zu schmeißen.

 

DSC02504Last but not least mag ich den senfgelben Blazer sehr gerne. In diesem Jahr würde ich der Kombination gerne noch eine Bluse spendieren, aber die Oberteilschwäche…

 

IMG_3965Zum Glück gefällt er mir in der Kombination mit dem schwarzen Paspelkleid (ein Liebling des Jahres 2013) fast besser, deswegen kann ich die Bluse beruhigt vertagen. 2016 ist ja auch noch ein Jahr, nicht wahr?

Melleni zeigt ihre Lieblinge heute auf dem MMM-Blog. Den Stoff eines wunderschönen roten Kleides hat sie in Aachen bei meinem alten Nachbarn gekauft, den ich bei meinem Weihnachtsbesuch gemeinsam mit der tollen Cati Basmati besuchte. Einen der dort gekauften und in die USA importierten Stoff habe ich gestern angeschnitten, aber dazu später mehr!

Ich hoffe, Ihr seid gut ins neue Jahr gekommen! Ich freu mich – wie immer – auf Struktur im Alltag, das Ende des Januars (ja, ich weiß…) und den Frühling (ja-ha). Diese Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und kurz danach, das ist mir einfach nix.

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