Me Made Mittwoch am 10. Dezember 2014

Wenn ich mein heutiges Kleid so betrachte, frage ich mich, warum ich meinen ursprünglichen Weihnachtskleid-Plan eigentlich geändert habe. Ich mag die Mantelkleider aus dem Buch von Gertie Hirsch wirklich sehr gerne. Die lila Version finde ich ein wenig schöner als die graue, sie ist auch ein bisschen weiter, sitzt daher angenehmer. Abgesehen davon hab ich da nicht so viele Fehler gemacht, zum Beispiel bezüglich der Knopfleiste, die einerseits auf den falschen Seite ist und andererseits an der völlig falschen Stelle sitzt. Bei beidem ist meine Schusseligkeit Ursache der Fehler, die mittige Positionierung der Knopfleiste ist beispielsweise mal wieder meinem Abschneidewahn geschuldet.

IMG_4160Hallo Institutstoilette! Du auch wieder da? Ich freu mich schon, wenn ich demnächst hier die Saumlänge des Weihnachtskleides bestimme. “Das macht man in Europa so. Echt.” Ob ich damit durchkomme?

 

IMG_4161 Hier sieht man deutlich, dass es viele Falten an der Brust wirft. Ich hab aber wirklich keine Ahnung, wie ich das ändern kann.

 

IMG_4158Ich mag es dennoch. Tja, so ist das. Und ich werde in Aachen mal in den liebsten Stoffladen gehen und nach dunkelblauer Wolle suchen für eine weitere Version. Immerhin ist das Schnittmuster schon in den USA… (apropos, ich verlose Weihnachtskitsch. Interesse?)

Auf dem MMM-Blog ist heute Meike unsere Gastgeberin. Ich freu mich auf Eure Beiträge!

Kitsch as Kitsch can – oder: es gibt ein Geschenk!

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

die Christmas Sweater fesseln mich und mittlerweile habe ich ein wenig recherchiert. Das war gar nicht so einfach, denn wenn man nach “Christmas Sweater” sucht, kommt man vor allem auf Shopseiten, die ganz charmant auf “ugly christmas sweater” (oder gegebenenfalls noch tacky) referieren, zum Beispiel hier.

Wo genau die Tradition herrührt, kann ich allerdings nicht sagen, die UK-Version berichtet von englischen Showmastern, die diese Tradition (zunächst unironisch) in den 1980er  einführten. Auf US-Webseiten wird auf die Bedeutung des Christmas Sweaters bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts verwiesen. Letzteres scheint mir ziemlich unwahrscheinlich, vielleicht meinten sie das 20. Jahrhundert? Sucht man bei Etsy, dann finden sich auch dort insbesondere Exemplare aus den 1980ern, obwohl es natürlich auch ganz wunderbare Beispiele aus den 40ern gibt, z.B. hier.

Meine erste Berührung mit dem Konzept “Ugly Christmas Sweater” war vermutlich diese Szene aus Bridget Jones, in der Renee Zellweger bei ihren Eltern (?) auf Colin Firth trifft, beiden in einem Schneemann-Pullover. Seitdem hat sich eine regelrechte Tradition um den hässlichen Pullover entwickelt mit Motto-Parties, entsprechenden Familienphotos und einem eigenen Feiertag: Am 12.12. ist National Ugly Christmas Sweater Day!

Zu diesem wunderbaren Anlass habe ich es mir nicht nehmen lassen, eine kleine Überraschung für Euch zu besorgen.

IMG_4153 Dieser kleine (und damit kofferfreundliche) Christmas Sweater mit aufgenähten Katzen (die tragen Mützen!) und Weihnachtsbäumen wird Eure Wein- und Wasserflaschen in weihnachtlichem Glanz erstrahlen lassen!

IMG_4154

Ist das nicht, äh, bezaubernd? Wer sich von der kitschigen Glückseligkeit amerikanischer Weihnachtsdeko nicht nur nicht abschrecken sondern gar erfreuen lässt, möge sich unter diesem Posting melden. Am nationalen Feiertag des Christmas Sweater, dem 12.12., schließt um 18 Uhr meiner Ortszeit (Mitternacht zum 13.12. bei Euch) das Lostöpfchen. Wer keinen Blog hat, kann entweder eine E-Mail-Adresse hinterlassen oder mir eine ebensolche schicken.

Die glückliche Gewinnerin bzw. der glückliche Gewinner muss dann noch abwarten, bis ich deutschen Boden unter den Füßen habe (was eine Woche später der Fall sein wird) und bekommt den Christmas Sweater pünktlich zum Fest zugeschickt!

Happy Holidays!

 

WKSA, Teil 4

7.12.2014 WKSA Teil 4:
Uah, es passt nicht, das muss ich ändern / Ich habe diese schwierige Stelle gemeistert und bin stolz wie Bolle! / Das sieht doch schon ganz gut aus, oder? / Ich hab ein Hängerchen und brauche Motivation!

Alter Schwede, wir sind schon bei Teil 4, Weihnachten rückt immer näher. Andererseits können wir ganz beruhigt sein, es sind noch zwei volle Wochen bis zum Finale. Auch wenn ich (Frau Kirsche) eigentlich nur sonntags nähe (und das ist ein bisschen unpraktisch, weil ich dann fertig bin, wenn in Deutschland Nacht ist. Ihr seht also immer den schon lange rumliegenden Zustand, wenn ich sonntags morgens – hier – bzw. nachmittags – Deutschland – meinen Stand zeige), bin ich frohen Mutes, dass ich das Kleid fertig bekomme. Wie ist es bei Euch? Bekommt schon jemand Hektikflecken?

Mein Kleid, Butterick 5920, ist in folgendem Zustand, Rock- und Oberteile sind zusammengenäht, passen ohne zu kneifen und die Taille ist da, wo meine Taille ist. An Taille und Schultern muss ich eigentlich immer was ändern. Mein Oberkörper ist zu kurz für die meisten Schnittmuster und meine Schultern zu schmal. Wenn ich mir aber so angucke, wie viel andere häufig ändern müssen, kann ich mich nicht wirklich beschweren.

DSC02536

Vor mir liegen mehrere aufregende bis unangenehme Schritte, die ich gekonnt verdränge, das sind einerseits die Knöpfe und andererseits immer noch die Taschen. Dodo hatte letzte Woche vorgeschlagen, die Taschen aufs Rockteil zu nähen. Das finde ich eine ziemlich gute Idee, ich hatte eh schon Sorge, dass meine eher große Oberweite plus Taschen aus doppeltem Samt plus Vlieseline ein bisschen arg werden könnten. Meinungen? Bei den Kräuselungen in der Taillennaht war ich mir erst ebenfalls unsicher, aber das geht meines Erachtens.

DSC02538

Die Knöpfe habe ich wie den Stoff aus Deutschland importiert. Ich werde sehr wahrscheinlich die goldenen nehmen, die weißen im Hintergrund sind etwas arg wuchtig. Heute habe ich in einem Ramschladen eine neue Quelle für Vintage-Knöpfe aufgetan, allerdings sind die ziemlich teuer. Ich habe natürlich trotzdem welche mitgenommen…

DSC02540

Und endlich kann ich Euch etwas ganz und gar kitschig-fremdes zeigen: Christmas Sweater! Ich hielt es bislang für eine Hollywood-Erfindung, aber es gibt sie wirklich. Und ehrlich gesagt bin ich mir immer noch nicht sicher, auf welchem Ende des Ironie-Kontinuums ich dieses Kleidungsstück verorten soll, man kann es zwar in Hipsterläden kaufen, aber die älteren Mitarbeiter_innen und Professor_inn_en tragen sie auch. Gut, die können das natürlich auch ironisch meinen, aber eine Kollegin erklärte mir ganz ernthaft, dass sie sich für die Weihnachtsfeier hübsch gemacht hätte. Theoretisch finde ich das unfassbar niedlich – so viel anders ist das mit dem Weihnachtskleid ja nun auch nicht. Praktisch hätte ich jetzt nicht unbedingt ein Mickey Mouse-Weihnachts-Sweatshirt gewählt, aber gut: jeder Jeck ist anders.

 

IMG_4066

In diesem Haus werden traditionell die Christmas Sweater der letzten Jahre als Deko an die Treppe gehängt. Leider musste ich das Photo heimlich aus der Hüfte schießen, sonst hätte ich Euch noch mit ein paar Details beglücken können.

Mittlerweile sind auch die Häuser zunehmend geschmückt, allerdings ist es hier en vogue, Drahtkugeln mit Lichterketten zu umwickeln, und in Bäume zu hängen. Das hört sich komisch an, ich weiß, aber es sieht wirklich bezaubernd aus. Leider habe ich nur schlechte Photos davon, aber ich nehme demnächst noch mal meine ordentliche Kamera mit. Unten  bekommt Ihr aber zumindest eine Ahnung davon, wie es aussieht. Auf dem ersten Bild erkennt man die Konstruktion der, äh, Dingsis, auf dem zweiten den Effekt. Das sieht wirklich toll aus!

IMG_4055 IMG_4079
Ebenfalls in weihnachtliche Stimmung bringt mich übrigens die Spendenbereitschaft dieser Gruppe. Ich möchte noch mal sagen, wie unfassbar baff und gerührt ich bin. Baff weil dieses Angebot ja eigentlich so unverbindlich ist. Klar, es gibt viele, die sich mittlerweile kennen, die sich besuchen, Schnittmuster tauschen, Nähkränzchen veranstalten oder Stoffe durch die Republik schicken. Trotzdem könnte hier jede ganz eigennützig vor sich hinwerkeln, einfach nur konsumieren,  und an der Spendenaktion vorbeigucken. Anhand der Summe aber auch der Anzahl der Einzelspenden sieht man ja aber, wie unfassbar viele bereit sind, mehr zu tun. Das ist kein anonymes Internet, das find ich großartig. Und neben dem Lob und Stolz an und auf diese Gemeinschaft ist das auch noch ein kleiner Hinweis, dass wir sehr knapp davor sind, die dritte Ausbildung zu finanzieren. Es wäre super, wenn das noch klappt! Hier könnt ihr gucken und spenden. DANKE <3

Und nun geht es endlich los, verlinkt Euch!

 

Me Made Mittwoch am 3. Dezember 2014

Der Dezember ist nicht nur in Deutschland voller Weihnachtsfeiern – auch die Uni hier in NC lässt keine Möglichkeit des heiteren Beisammenseins aus. Heute, am Dienstag, waren es direkt zwei. Meine Betreuerin nimmt mich überall hin mit, stellt mich vor, was ganz großartig ist, denn so lerne ich nicht nur die Universität besser kennen, sondern treffe in ganz bizarren Situationen beruflich wichtige Menschen. Gestern Abend beim Basketball-Spiel der College-Mannschaft lernte ich beispielsweise den Herausgeber einer für mein wissenschaftliches Feld spannenden Fachzeitschrift kennen. Er in Shorts (gestern waren es hier 19° C), Kapuzenpullover und Baseball-Cap, ich in Ehrfurcht. Heute erzählte ich das meinem deutschen Chef per Skype und wir kicherten ein wenig über die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Professorinnen und Professoren. In Shorts bei einer Uni-Veranstaltung und mit einem lässigen “Hey, how ya doin'” – eher unwahrscheinlich in Deutschland. (Und das bezieht sich nicht auf die Sprache)

Die Lässigkeit amerikanischer Uni-Professorinnen und -Professoren schätze ich sehr an meiner amerikanischen Chefin. Die war nämlich nicht im mindesten irritiert als sie mich Spiegelphotos machend in der Institutstoilette vorfand. Ich reagierte hingegen ein wenig hektisch und das Ergebnis zeige ich Euch gleich.

Neben dem Weihnachtskleid bin ich nähtechnisch wahnsinnig faul. Abends stricke ich lieber, haha, das hätte ich niemals vermutet. Das Shetland Triangle wächst und gedeiht. Und es macht Spaß. Aber das verrate ich niemandem, vor allem nicht meiner Crew.

Hier nun also Photos mit bereits bekannter Kleidung in ebenfalls bekannter Umgebung – the beloved bathroom.

IMG_4039 Den Mantel habe ich vor einigen Wochen gezeigt. Butterick 5824 nach Gretchen Hirsch.

IMG_4041 Hier sieht man jetzt auch mal das hellblaue Futter, das ich eingenäht habe. Auch das stammt aus meinem Vorrat (ich war ein wenig stolz, aber jetzt habe ich ja schon wieder neue Stoffe gekauft und alles ist für die Katz…)

 

IMG_4042 IMG_4044Und hier noch ein Bild vom dunkelblauen Wollrock, den ich schon häufig gezeigt habe, beispielsweise hier. Leider gibt es kein besseres Photo, denn dann wurde ich überrascht.

Nun zu etwas, das uns – der MMM-Crew – sehr am Herzen liegt, unsere diesjährige Weihnachts-Spendenaktion, die dieses Mal Ausbildungen von Näherinnen in Afghanistan finanziert. Wir hoffen auf 2160 Euro (zwei einjährige Ausbildungen) und natürlich haben wir uns wieder was Feines ausgedacht, falls wir das Ziel erreichen! Die Lebensbedingungen von Männern aber insbesondere von Frauen sind in Afghanistan immer noch unvorstellbar schwierig bis grausam. Wir würden uns freuen, wenn wir gemeinsam Hilfe zur Selbsthilfe leisten könnten und Empowerment ermöglichen mit einer Spende, die in konkreten Projekten wirkt und nicht in Verwaltung/Vermarktung/etc. verschwindet.

Ich möchte diesen Beitrag mit Wiebkes Worten zur Spendenaktion enden lassen:

Auch wenn unser Lebensalltag so unvorstellbar unterschiedlich zu dem der afghanischen Frauen ist, der Stolz beim Präsentieren der Nähwerke hat so viel gemeinsam mit dem, was wir alle so gut kennen und hier beim MMM auch immer wieder sehen.

Auf einen wunderbaren Me Made Mittwoch mit Claudia! <3

WKSA, Teil 3

30.11.2014 WKSA Teil 3:
Ich bin in Stimmung, erste Nähte sind gemacht!  / Endlich hab ich angefangen / Probemodell sitzt, ich kann den richtigen Stoff zuschneiden / Ich bin ein Streber und nähe jetzt mein zweites Weihnachtskleid / Plätzchenessen ist doch irgendwie auch Nähen, oder?

Heute treffen wir uns zum dritten Mal zum Weihnachtskleid-Nähen auf dem MMM-Blog, dieses Mal unter Dodos Regie. Ich merke ja leichte Schwächel-Erscheinungen an mir selbst, aber das gilt natürlich nicht. Wenn ich genau darüber nachdenke, hat es auch einen klitzekleinen Vermeidungscharakter, was ich da gerade mache.

Also, zum Stand. Ich nähe ein Butterick 5920 aus rotem Samt. Alle Teile sind zugeschnitten, alle Abnäher genäht, alle Kräuselungen eingezogen. Die Taschen sind ebenfalls fertig, aber hier kommen wir direkt zum ersten Punkt, vor dem ich mich drücke: die Taschen müssen noch von Hand geschlossen werden. Mach ich heute (hier ist es ja erst 15 Uhr)! Und jetzt ist es ausgeschrieben, also hoppla, Frollein.

IMG_4029Vielleicht bügel ich dann direkt auch noch mal, was? Das Bügeln findet hier übrigens unter erschwerten Bedingungen (weil ohne Brett) statt. Die Farbe ist  nicht gut getroffen auf dem Photo, auf den anderen ist es besser.

 

IMG_4028Das Oberteil ist in Grundzügen ebenfalls fertig und hier kommt direkt die nächste Bremse. Die Taschen müssen auf das Oberteil, und wenn’s denn geht, dann gerade und nicht total doof platziert. Ich weiß, dass das nicht so schwer ist, aber sicherheitshalber eiere ich die ganze Zeit drum herum und versuche es erst gar nicht. Yeah, super-clever!

 

IMG_4030Diese Vermeidungsstrategie führt zumindest dazu, dass ich schon alle möglichen anderen Teile schon zusammengenäht habe und mich jetzt sorge, ob die zugeschnittene Größe (10) nicht doch ein bisschen mutig war. Leileilei.

Während ich durch Eure Beiträge stöbere, esse ich keine Plätzchen, sondern landesgemäß Donuts. Die sind aber auch lecker!

Me Made Mittwoch am 26. November 2014

Da Ihr mir ja letzte Woche schon die Toilettenphotos verziehen habt, dachte ich, dass ich, äh, das diese Woche einfach noch mal mache. Okay, nächste Woche versuche ich eine etwas romantischere Umgebung für meine Photos zu finden, okay? Der Mittwoch kommt aber auch immer so plötzlich. Quasi wie Weihnachten NUR JEDE WOCHE! So hab ich das noch nie betrachtet. Ich fühle mich auf einmal so erschlagen, dass ich erst mal ein Stückchen Schokolade brauche.

In North Carolina ist es derzeit noch mal muckelig warm (auch wenn mich gerade eine Frau mit “take care, hon, it’s cold outside!” vor den 15 (!) Grad Celsius warnte), deswegen brauchte ich heute (Dienstag) weder Herbst- noch Wintermantel.

Nun also auf in die Institutstoilette. Heute wurde ich erst beim letzten Photo erwischt; ich werde besser!

IMG_3962 Das Kleid habe ich für einen beruflichen Anlass genäht und es ist eines meiner Lieblinge aus dem letzten Jahr. Es ist ein einfaches Paspelkleid (Knip 11/2011) aus schwarzem Baumwollleinen mit dunkelgrauen Paspeln. Okay, sieht man nicht, müsst Ihr mir jetzt glauben.

 

IMG_3963Das schwarze Kleid macht sich prima mit dem zuletzt genähten Blazer. Ich finde Kombination sogar fast ein bisschen besser als das Original. Was meint Ihr?

 

IMG_3965 Die Brosche ist von Frollein von Sofa.

 

IMG_3958Meine Kollegin hat mir einen Iso-Kaffeebecher geschenkt, damit ich auf dem Campus nicht so auffalle. Wirklich sehr, sehr viele Kaffeebecher da unterwegs, Wahnsinn. Ich hab ihn schon zweimal an der Bushaltestelle stehen lassen, aber wir finden immer wieder zueinander, wir zwei.

So, jetzt verweise ich auf unsere heutige Gastbloggerin Anni auf dem MMM-Blog mit einem schönen grünen Kapuzenpullover.

WKSA, Teil 2

Bonjour, Ihr Lieben. Ich bin heute Gastgeberin des Sew Alongs auf dem MMM-Blog und freue mich, wenn Ihr Euch dort mit Eurem Beitrag verlinkt!

Herrje, herrje, herrje. Es ist ja so: Da verspricht man (Frau Kirsche) Glitzer und Kitsch und dann? Ist es hier in den USA scheinbar harmloser als in der deutschen Vorweihnachtsglückseligkeit. Es ist mir sehr unangenehm, aber so ist es.

Gut, widmen wir uns also unserem Kerngeschäft, dem Weihnachtskleid. Zur kurzen Erinnerung, ich nähe ein Butterick 5920 aus rotem Samt.

Heute treffen wir uns zum zweiten Mal und folgendes wollen wir heute besprechen:

23.11.2014 WKSA Teil 2:
Oh, so ein schönes Schnittmuster wird da genäht, ich entscheide mich schnell um / Ich habe mich für mein Traumkleid entschieden und bleibe dabei / Ich nähe mal lieber erst ein Probemodell / Schnitt kopieren, zuschneiden, wer sagt eigentlich, dass Nähen Spaß macht? 

Üblicherweise ist jetzt der Zeitpunkt in einem Sew Along, zu dem ich anfange, zu schwächeln. Ich kopiere das Schnittmuster nicht, ich schneide nicht zu (und dann fange ich nicht an, zu nähen, aber da sind wir ja noch nicht). Als Gastgeberin kann ich mir solche Schludereien natürlich nicht erlauben, deswegen habe ich vor einigen Tagen das Schnittmuster kopiert (bzw. das Original ausgeschnitten, ich hatte keine Folie) und den gestrigen Abend damit verbracht, zuzuschneiden. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Zeit ich damit vetrödeln kann, insbesondere wenn man bedenkt, was für ein Tempo ich gegen Ende eines Projekts vorlegen kann. Da muss ich erst ewig überlegen, was ich dabei hören oder sehen möchte, dann steh ich immer wieder seufzend auf, drehe den Stoff von links nach rechts oder mache Photos (in diesem Fall für die Keksmamsell). Naja, immerhin könnt Ihr so den Stoff mal sehen. Ich habe übrigens eine Folge Barnaby gesehen, ich mag Krimis und dabei muss man sich nicht konzentrieren, wenn ich etwas nicht mitbekomme, ist das total egal.

 

Nun habe ich hier also eine Tüte voller Teile liegen und vielleicht, vielleicht schaffe ich es ja, mich noch an diesem Wochenende davon zu überzeugen, dass ich auch nähe. Vielleicht suche ich aber auch einen passenden Film, mal sehen.


Damit hier wenigstens etwas Aufregendes passiert, guckt mal hier, Nähmaschine an amerikanischer Wohnung:

WKSA from Juli Kirsche on Vimeo.

 

Ich freue mich, von Eurem Fortschritt zu lesen. Auf, Ladies, los geht’s!

P.S.: Habt Ihr gesehen, dass es in Berlin jetzt eine dauerhafte Ausstellung zu Mode gibt? Toll! Ich will definitiv hin!

Mühsam ernährt sich das Maiskörnchen

Die beste aller Schwestern (meine nämlich!) ist Königin der Wortfindungsstörung und erfand diese obige Redewendung (im Titel), als sie mich mal zu irgendwas belehren wollte. Während wir sonst dazu neigen, alles zu vergessen, was nicht irgendwie mit einem Zeugnis oder einer Geburtsurkunde abgeschlossen wird, ist diese Äußerung in unseren Sprachgebrauch übergegangen. Also zumindest in meinen.

Und warum erzähle ich das alles? Weil ich mich genau so fühle, nur hab ich zusätzlich noch Kommunikationsprobleme. Als Soziologin bin ich zwar davon überzeugt, dass man Hypothesen niemals bestätigen kann, sondern dass man Theorien, die Voraussagekraft haben, falsifizieren muss. Aber das finde ich doch ein bisschen arg, denn quasi jede meiner Hypothesen zu meinem amerikanischen Alltag wird  widerlegt.

Am eindeutigsten vor Augen geführt wird mir das derzeit beim Busfahren. Und nur um daran zu erinnern: ÖPNV kann ich. Echt. Aber hier geht alles sehr anders, anders als in New York, San Francisco, Boston, London, Paris, Berlin, Bremen, Aachen. Auf dem Busfahrplan (Flyer oder Internet) sind nur wenige Haltestellen angegeben, die dazwischen muss man einfach wissen oder kennen. Erkennbar sind die Haltestellen dann an einer Plakette, die an einem Mast o.ä. befestigt sind. Auf der Plakette steht auch die Buslinie, die dort theoretisch hält, aber niemals ein Zeitplan. Die Ankunftszeit des jeweiligen Busses muss man interpolieren, indem man die Distanz zwischen denen im Zeitplan angegebenen Haltestellen und der eigenen abschätzt. Wenn man dan Zugang zum Internet hat, sonst wartet man eben. Und man bedeutet in diesem Falle ich.

Ist eigentlich gar nicht so kompliziert, aber irgendwie doch, wenn das alles nicht bekannt ist, sondern man Hypothesen anlegt, die nach und nach falsifiziert, angepasst und erneut widerlegt werden. Nach knapp anderthalb Wochen habe ich es heute geschafft, statt 10 Minuten mehr als anderthalb Stunden nach Hause zu benötigen, was zu zwischenzeitlichen Wutattacken und großer Sehnsucht nach meiner Bremer Straßenbahn geführt hat. Mittlerweile ist meine Verzweiflung dank einer Runde auf dem Laufband und zwei Gläsern kalifornischen Rotweins deutlich gemindert.

Fest steht aber: geht irgendwie besser, woll?

Prost!

IMG_3847

Me Made Mittwoch am 19. November 2014

Erinnert Ihr Euch noch an letzte Woche? Clogs und nackte Beine? Ja? Ich auch, aber irgendwas ist in der Zwischenzeit geschehen, denn derzeit sind es unter null Grad. Wie konnte das nur passieren? Ich bin höchst irritiert.

Mir wird von den Kolleginnen und Kollegen jedoch eine hohe Kältetoleranz zugeschrieben, weil ich aus Deutschland komme “and there it’s freeeeezing”. Ich werde dann demnächst mal vom klassischen norddeutschen oder rheinischen Winter (aka Regen) berichten und lächle derweil huldvoll, wenn meine scheinbar genetisch veranlagte Kälteresilienz thematisiert wird.

Nun aber zurück zum Thema. Es ist kalt. Zum Glück habe ich ja ein paar warme Wollkleider eingepackt, denn auch wenn mir meine direkte Kollegin vor einem Monat versprach, dass es quasi niemals so kalt werden würde, wie es derzeit ist (*hust*), friere ich an langen Tagen im Büro doch immer.

Mein Lieblings-Winterkleid ist das lila Mantelkleid nach Gertie-Hirsch, das Cat und ich quasi gleichzeitig (okay, sie war mal wieder ein halbes Jahr schneller…) genäht haben. Augrund schlechter Vorbereitung müsst Ihr leider mit Spiegelbild-Handy-Photos leben – Entschuldigung!

IMG_3885Amerikaner_innen verteilen gerne Komplimente. Da machten auch die Studentinnen, die mich eben bei meiner Photosession überraschten, keine Ausnahme…

 

IMG_3886

Die Schleifen-Brosche haben Wiebke und ihre Tochter mir geschenkt.

IMG_3887In meiner Wohnung gibt es keinen Ganzkörperspiegel. Die haben doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich zukünftig auf der Instituts-Toilette meine Rocklänge festlege, oder?

Auf dem MMM-Blog zeigt Constanze eine schöne Dakota-Version und sinniert über Schnittmuster-Moden.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 139 Followern an